
„9.“? Habe ich die anderen Kapitel alle verpasst?
Keine Sorge, ich gehe im Blog nicht in der Reihenfolge des Wahlprogrammes vor, sondern nach meinen Schwerpunkten. Es kann also sein, dass ich es bis zur Wahl am 13.9. nicht schaffen werde, alle Kapitel zu besprechen. Mein Tag hat auch nur 24 Stunden.
Beginnen wir also mit der Mobilität, einem Bereich, der mir besonders am Herzen liegt, weil er ein von klein auf mit darüber entscheidet, ob du Freundschaften nur im nächsten Umfeld oder auch im nächsten Ort schließen kannst. Ob du Sportart A lernen musst oder zwei Dörfer weiter den anderen Verein mit der für dich tolleren Sportart B selbstbestimmt erreichen kannst. Oder später ob du einen Job annehmen kannst ohne ein eigenes Auto oder Führerschein zu besitzen, weil es einen guten, bezahlbaren, barrierefreien und verlässlichen öffentlichen Nahverkehr gibt. Ihr seht an den Beispielen schon: Mobilität ist auch eine Frage der Gerechtigkeit.
Gehen wir rein in das Kapitel mit einer Bestandsaufnahme:
Die Region Hannover ist für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständig. Ob S-Bahnen, Busse, Stadtbahnen oder Sprinti – wir arbeiten intensiv daran, dass alle Menschen zuverlässig, günstig und komfortabel mobil sein können. Das erleichtert den Alltag und ist zugleich ein zentraler Beitrag zum Klimaschutz.
ERFOLGE AUSBAUEN – MOBILITÄT FÜR ALLE VERBESSERN
In der vergangenen Wahlperiode haben wir den ÖPNV deutlich attraktiver gemacht. Mit dem Hannover JobTicket, dem Sozialticket, dem Ehrenamtsticket und der Jugendnetzkarte haben wir den ÖPNV für viele Menschen bezahlbar gemacht. Mit dem Verkehrsentwicklungsplan VEP 2035+ haben wir konkrete Maßnahmen beschlossen, um die Verkehrswende voranzubringen und den CO₂-Ausstoß im Verkehrssektor deutlich zu senken. Sprinti ist ein echtes Erfolgsmodell im Umland. Dieses bundesweit einmalige Angebot haben wir langfristig abgesichert. Der europaweit erste autonome Linienbus Albus fährt seit einigen Monaten in Burgdorf. Mit neuen SprintH-Linien sind Stadt Hannover und Umland auch mit dem Bus schnell miteinander verbunden. An diese Erfolge wollen wir anknüpfen.
Eine gute Bilanz, finde ich. Doch BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen mutig weitere Verbesserungen „auf den Weg“ bringen.
ÖPNV WEITER AUSBAUEN UND BESSER VERNETZEN
Wir bauen die Infrastruktur von S-Bahnen, Stadtbahnen und Bussen weiter aus. Neue Verbindungen und zusätzliche Haltestellen schaffen bessere Erreichbarkeit, unter anderem zum Neubau der Medizinischen Hochschule. Wir schaffen neue Bahnstationen, wie etwa Laatzen-Mitte oder Waldhausen und eine Stadtbahn-Ringlinie. Diese attraktiven Umsteigeanlagen machen den Wechsel zwischen Verkehrsmitteln einfacher und komfortabler. Haltestellen bauen wir konsequent barrierefrei aus – denn der ÖPNV ist für alle da.
MMOBILITÄT RUND UM DIE UHR
Mobilität ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Sie ermöglicht Menschen, unabhängig vom Wohnort Arbeit, Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Angebote zu erreichen. Mit flexiblen Angeboten wie dem Sprinti ergänzt die Region Hannover den öffentlichen Nahverkehr dort, wo feste Takte an Grenzen stoßen. Darauf bauen wir auf und sorgen für sichere, bezahlbare Mobilität – auch in den Abend- und Nachtstunden.
Hört sich gut an? Wie wollen wir das denn erreichen?
Dafür setzen wir GRÜNE uns ein:
- Nachtangebote ausbauen
An den Wochenenden ist der ÖPNV bereits nachts gut nutzbar. Dieses Angebot wollen wir auch unter der Woche ausbauen.
- Frauen*nachttaxi einführen
Wir setzen uns für ein regionsweites Frauen*nachttaxi für alle FLINTA-Personen ein, um Sicherheit und Mobilität insbesondere in den Abend- und Nachtstunden zu verbessern.
- Sprinti verstetigen
Tausende Menschen nutzen Sprinti täglich – mit steigender Nachfrage. Wir wollen, dass dieses Angebot gehalten werden kann und dass es weiter flexibilisiert wird. Bei einer ausreichenden Kapazität sollen auch zusätzlich Personen in einen Sprinti einsteigen dürfen, die ihn nicht selbst gebucht haben. Dadurch können unnötige Mehrfachfahrten vermieden werden.
- Sicherheitsgefühl stärken
Wir setzen uns, in Absprache mit den Betreiber*innen, dafür ein, das Sicherheitsgefühl durch konkrete Maßnahmen an Bahnhöfen und Haltestellen (zum Beispiel durch helle Beleuchtung und Notruf-Möglichkeiten) zu verbessern.
- Safe Spaces für Frauen*
Wir initiieren für unsere Stadtbahnen zusammen mit Betroffenen, Gleichstellungsstellen und Expert*innen ein Pilotprojekt für Safe Spaces für Frauen*, die sich unsicher fühlen.
- Sicherheits-Training für ein respektvolles Miteinander
Nur Fahr- und Sicherheitspersonal, dass weiß, wie es sich selbst und andere schützen kann, kann auch anderen wirksam helfen und für eine respektvolle Atmosphäre sorgen. Wir sorgen für die gute Aus- und Weiterbildung des Personals im Nahverkehr.
- Frontkameras in Bussen und Stadtbahnen
Immer wieder blockieren Autofahrer*innen Bushaltestellen und behindern durch Falschparken den ÖPNV. Nach positiven Erfahrungen in anderen Städten wollen wir durch den datenschutzkonformen Einsatz von Frontkameras in Bussen und Bahnen die Ahndung solcher Parkverstöße erleichtern und damit den ÖPNV beschleunigen.
Damit möglichst alle Menschen in der Region mobil sein können, verfolgen wir verschiedene Ansätze auf Regionsebene. Doch ÖPNV-Finanzierung ist sicher ein Politikfeld, das vielleicht ganz andere Ansätze braucht. Dafür bringe ich mich in grünen Arbeitsgemeinschaften auf Landesebene ein. Doch zurück zur Region Hannover.
BEZAHLBARE MOBILITÄT FÜR ALLE SICHERN
Mobilität darf keine Frage des Einkommens sein. Mit dem 9-Euro-Ticket haben wir im Bund 2022 den Grundstein für das heutige Deutschlandticket gelegt. Für viele Beschäftigte, Jugendliche, Ehrenamtliche und Menschen mit geringem Einkommen bieten wir das Deutschlandticket in der Region Hannover bereits für 35 Euro pro Monat an. Für Jugendliche und Menschen mit geringem Einkommen wollen wir weitere Vergünstigungen schaffen.
Dafür setzen wir GRÜNE uns ein:
- Kostenloses Schülerticket für Alle
Wir setzen uns dafür ein, dass alle Schulkinder in der Region Hannover eine kostenlose Fahrkarte für das gesamte Regionsgebiet erhalten. Die bisherige 2-Kilometer-Grenze zwischen Wohnort und Schule ist willkürlich und ungerecht. Gemeinsam mit den regionsangehörigen Städten und Gemeinden suchen wir nach tragfähigen Lösungen.
Nicht alle Wege lassen sich mit einem Verkehrsmittel bewältigen. Beispiel: Ich gehe zu Fuß zum Bus, der bringt mich zur S-Bahn, diese dann in die Landeshauptstadt, dort dann die Stadtbahn und/oder ein Bus zu einer kulturellen Veranstaltung. Und später (am Abend) möchte ich auch wieder nach Hause. Damit das gut aufeinander abgestimmt funktioniert, müssen wir in Mobilitätsketten denken, damit ich am späten Abend nicht an der S-Bahn-Station strande, weil kein Bus oder Sprinti mehr fährt. Dazu haben wir folgende Ideen:
BUS, BAHN UND FUßVERKEHR BESSER VERZAHNEN
Nachhaltige Mobilität denkt alle Verkehrsmittel zusammen. Ob Bus und Bahn, Fahrrad oder Auto (gerade in Form von Sharing-Angeboten) – jedes Verkehrsmittel hat seinen Platz. Entscheidend ist, einen starken Umweltverbund aufzubauen, in dem Menschen für ihre Wege einfach, flexibel und klimafreundlich das passende Verkehrsmittel wählen können. Rückgrat dieses Umweltverbundes ist der öffentliche Verkehr mit Bus und Bahn. Dafür sorgen wir mit der notwendigen Infrastruktur, guten Umsteigemöglichkeiten und einer verlässlichen Vernetzung der Angebote. Wir möchten die S-Bahn wieder zuverlässig machen und das Platzangebot erweitern. Die Stadtbahn muss wieder wetterfester werden. Beim Sprinti wollen wir Verbindungen zwischen den einzelnen Kommunen schaffen.
Dafür setzen wir GRÜNE uns ein:
- Bike & Ride und Park & Ride ausbauen
Wir bauen Bike-&-Ride- sowie Park-&-Ride-Anlagen weiter aus und statten sie mit Ladesäulen aus.- Fahrradmitnahme verbessern
Die Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen soll einfacher werden. Sperrzeiten reduzieren wir schrittweise und schaffen zusätzliche Abstellflächen.
Letzter Punkt, aber für mich ein wirklich wichtiges Ziel: effektiv mangelnde Sicherheit beseitigen, denn wenn ich mir ehrlich die Frage stelle, wieviel Tote und Verletzte ich bereit bin, zu tolerieren, damit wir alle von A nach B kommen, dann kann eine mitfühlende Antwort nur 0, Null, „Zero“ lauten.
VERKEHRSSICHERHEIT ERHÖHEN – VISION ZERO UMSETZEN
Alle Menschen sollen sich in ihrem Alltag angstfrei fortbewegen und unversehrt ihre Ziele erreichen können. Gerade Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung brauchen eine besondere Aufmerksamkeit bei der Verkehrsplanung. Für uns ist Verkehrssicherheit ein zentrales Anliegen. Wir setzen uns weiter für die Vision Zero ein: Niemand soll im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt werden.
Dafür setzen wir GRÜNE uns ein:
- Regionsweite Radschnellwege
Perspektivisch schaffen wir ein sternförmiges Netz aus beleuchteten Radschnellwegen mit Querverbindungen im gesamten Regionsgebiet. Die ersten Radschnellwege nach Lehrte, Langenhagen und Garbsen sind bereits geplant und werden in den kommenden Jahren finalisiert. Weitere Radschnellwege werden künftig Burgdorf, Ronnenberg, Pattensen, Gehrden und Uetze enger mit der Landeshauptstadt verbinden.- Mehr Sicherheitstempo
Wo möglich, setzen wir auf Tempo 30 innerorts und Tempo 70 außerorts. Insbesondere dort wo es keine begleitenden Radwege gibt.- Ausbau der Radinfrastruktur
Radwege werden zu sicheren und komfortablen Radwegen sowie zu einem Radwegenetz ausgebaut.Der Radwegebau soll beschleunigt werden. Dabei prüfen wir eine mitlaufende Beleuchtung in Bestand und Neubau.